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Kommt jetzt die dritte Juragewässerkorrektion?

Mitteilung des Vereins Pro Agricultura

Das Drei-Seen-Land ist das grösste Landwirtschaftsgebiet der Schweiz, wenig zersiedelt und reich an Naturschätzen. Damit diese Landschaft auch künftig – und unter den Einflüssen des Klimawandels – fruchtbar und vielfältig erhalten werden kann, benötigt es nach den Vorstellungen von Pro Agricultura Seeland jetzt die «dritte Juragewässerkorrektion». In einer gut besuchten «Landsgemeinde» wurden die Probleme und Lösungsansätze breit diskutiert. Land und Leute könnten viel gewinnen.

Das Drei-Seen-Land von der Orbe-Ebene bis nach Solothurn ist mit Abstand das grösste und fruchtbarste Landwirtschaftsgebiet der Schweiz, die Gemüsekammer des Landes, aber auch eine wenig zersiedelte Landschaft mit ausgedehnten Sumpf- und Naturschutzgebieten von nationaler Bedeutung. Kultiviert und bewohnbar gemacht wurden die Flächen durch die zwei Juragewässerkorrektionen in den vergangenen Jahrhunderten. Doch damit die landwirtschaftlichen und ökologischen Werte des Gebietes weiter erhalten und gefördert werden können, sind nun erneut Massnahmen notwendig. Denn Überschwemmungen nach Starkniederschlägen nehmen zu und es drohen mehr Trockenperioden.

Entwässerung, Bewässerung und Bodenverbesserung gefordert
Speziell die Wechselwirkung von Nässe und Trockenheit setzt den Böden zu. Ursache für die veränderte Dynamik bilden einerseits die mit dem Klimawandel zunehmenden Wetterextreme. Und es kommt hinzu, dass sich die ehemaligen Torfböden ungleichmässig abgesenkt haben und wegen der Mineralisierung dichter geworden sind. Die alten Entwässerungssysteme funktionieren deshalb nicht mehr wunschgemäss, sie bedürfen der Erneuerung. Um die Böden des Seelandes längerfristig fruchtbar zu erhalten, braucht es ein eigentliches Wassermanagement mit neuen Ent- und Bewässerungsanlagen. Es braucht aber noch mehr: Pro Agricultura Seeland fordert nicht weniger als eine «dritte Juragewässerkorrektion» mit sechs Stossrichtungen:
• Integrales Nutzungs- und Schutzkonzept: Eine umfassende Landwirtschafts-
planung über das ganze Gebiet soll aufzeigen, wo welche landwirtschaftliche
Bewirtschaftung oder andere Nutzungen sinnvoll und nachhaltig sind.
• Bodenverbesserungsprogramm: Die ausgeschiedenen Ackerböden sollen durch
punktuelle Eingriffe verbessert werden (Terrainanpassungen, Zugabe
Aushuberde, Durchmischen, Homogenisieren).
• Entwässerung: Die veralteten Drainagesysteme sollen saniert und teils
tiefer gelegt, und die Wasserkanäle ausgebaut werden.
• Bewässerung: Neue Infrastrukturen zum Wasserbezug aus den Seen und grossen
Flüssen sollen gebaut werden; und der Grundwasserstand auf hohem Niveau
stabilisiert werden.
• Ökologie: Die ökologische Vernetzung soll im Rahmen der integralen Planung
weiter optimiert werden, wo möglich werden Parzellen und Gewässer
revitalisiert, der Artenschutz für Vögel, Frösche und Co. wird gefördert.
• Wertschöpfung: Die Region und ihre Produkte sollen aufgrund ihrer hohen
Qualitätsstandards und der Swissness erfolgreich vermarktet werden.

Alle einbeziehen und national denken
«Die dritte Juragewässerkorrektion ist viel mehr als ein Landwirtschafts- projekt! Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz und wollen alle Nutz- und Schutzinteressen einbeziehen, denn hier können alle gewinnen: der Buur, die Natur und die ganze Bevölkerung» betont Peter Thomet, Präsident von Pro Agricultura Seeland. Die Interessengemeinschaft hat am 1. März zu einer Art «Landsgemeinde» nach Ins geladen, um ihre Ideen zu präsentieren. Gegen 200 Interessierte aus Gemeinden, Politik, Landwirtschaft und Verbänden haben teilgenommen und ein erstes Mal rege diskutiert. Der Handlungsbedarf war unbestritten. Der ganzheitliche und überregionale Ansatz erntete viel Lob – und zwar von links bis rechts, von Kantonsvertretern, wie von den anwesenden Nationalräten. Die Initianten berufen sich auch auf den im letzten Jahr mit grosser Mehrheit angenommenen Verfassungsartikel zur nationalen Ernährungs- sicherheit (Art. 104a BV) als Gegenvorschlag zu einer entsprechenden Volksinitiative. Sie wollen nun weitere Betroffene informieren und am Prozess beteiligen; eine zweite Landsgemeinde ist innert Jahresfrist in Murten geplant. Angestrebt wird schliesslich ein gemeinsamer Aktionsplan von Bund, Kantonen und betroffenen Gemeinden zur koordinierten Planung, Finanzierung und Umsetzung innerhalb der nächsten zwanzig bis dreissig Jahre. Eine entsprechende Resolution von Pro Agricultura geht in den nächsten Tagen an die betroffenen Kantonsregierungen und Bundesämter.
Das Drei-Seen-Land 
Das Gebiet umfasst den Raum um die drei Jurarandseen, von der Orbe-Ebene oberhalb des Neuenburgersees bis in die Gegend bei Solothurn. Nach der letzten Eiszeit war hier ein ausgedehntes Sumpfgebiet. Erst dank den zwei Juragewässerkorrektionen (1868-1878 und 1963-1973) konnten grosse Flächen bewohnbar und kultivierbar gemacht werden. Die Aare wurde in den Bielersee geleitet und der Wasserspiegel zweimal abgesenkt und weitgehend unter Kontrolle gebracht. Das Drei-Seen-Land ist heute die Gemüsekammer der Schweiz und ein Grossteil der schweizerischen Kartoffel- und Zuckerrübenproduktion konzentriert sich ebenfalls auf dieses Gebiet. Es erstreckt sich über fünf Kantone (VD, NE, FR, BE, SO) und es liegen fast 200 Gemeinden im Perimeter. 



Weiterführende Informationen

Ein Dossier mit Berichten, laufenden aktuellen Infos und Abbildungen findet sich auf der Website von Pro Agricultura Seeland: www.proagricultura.ch
Gemüsebeet
 

Datum der Neuigkeit 23. März 2018
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